Pressespiegel

Samstag, 04.September 2010

Neustart für Jugendliche ohne Perspektive

Hamburger Unternehmen tragen Ausbildungsprogramm für Bewerber, die am Arbeitsmarkt niemand will

Trotz freier Ausbildungsplätze am freien Arbeitsmarkt gibt es eine Reihe von Jugendlichen in Hamburg, die keine Lehrstelle bekommen. Sie haben keinen oder nur einen schwachen Hauptschul- oder Förderschulabschluss, eine Drogenkarriere hinter sich oder kommen aus dem Gefängnis. Doch auch diese Jugendlichen haben die Chance, einen Facharbeiterabschluss zu machen. Das Programm, das ihnen seit einem Jahr zum Lehrvertrag verhilft, heißt "Neustart". Es ist eine Initiative des Hamburger Ausbildungszentrums (HAZ), das von sieben namhaften Unternehmen getragen wird. Am Freitag zogen die Initiatoren eine erste Bilanz.

Anders als bei berufsvorbereitenden Maßnahmen werden die Jugendlichen beim HAZ direkt ins kalte Wasser geworfen. Sie werden nicht erst zur Ausbildungsreife geschult, sondern kommen sofort in die Lehre. 40 Jugendliche haben im vergangenen Jahr eine Ausbildung in Metall-, Elektro- und Kfz-Berufen aufgenommen. 25 kommen in diesem Jahr hinzu.

"Alle Stellen sind auch besetzt", freut sich die HAZ-Geschäftsführerin Gudrun Rinninsland. Zwar habe es am Anfang fünf Abbrecher gegeben. "Aber die Plätze konnten wir schnell weiter vergeben, obwohl die Anforderungen hoch sind." Zu den normalen Ausbildungsinhalten erhalten die Jugendlichen nämlich eine besondere Förderung. "Neustart ist stark betrieblich orientiert, aber wird durch weitere Unterstützungs- und Beratungselemente wie Schuldenberatung, Bewerbungstrainings, Sprachkurse und Wohnungssuche ergänzt", sagt Rinninsland. Schon alltägliche Voraussetzungen wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit seien für einige Jugendliche ein Problem: Manche haben schon zehn Jahre Arbeitslosigkeit hinter sich.

Einer von ihnen ist Christoph. Sein Lohn hieß bisher Hartz IV. Jetzt macht der 24-Jährige im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker: "Unsere Ausbilder sind top", sagt er. "Das merken wir immer, wenn wir uns in der Berufsschule mit anderen Azubis unterhalten - die haben längst nicht so eine intensive Betreuung." Christoph ist der Neustart gelungen. Das zeigen seine Noten an der Berufsschule.

Träger des HAZ sind die Hochbahn, die Verkehrsbetriebe VHH/PVG, der Flughafen, Hamburg Wasser, die HHLA sowie Vattenfall und E.on Hanse. "Neustart" sei kein betreutes Arbeiten, "sondern wir fordern viel von den Jugendlichen", sagt Hochbahn-Chef Günter Elste. "Aber die Jugendlichen sehen auch, welche Perspektive sie haben, wenn sie sich den Anforderungen stellen." Michael Eggenschwiler, Chef des Flughafens, ergänzt: "Das Programm gibt benachteiligten Jugendlichen eine zweite und manchmal sogar die erste Chance, sich in den Arbeitsmarkt einzubringen."

Quelle: Welt Online, 04.09.2010

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